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Ein ungeborenes Zwillingspärchen unterhält sich im Bauch
seiner Mutter. „Sag mal, glaubst du eigentlich an ein Leben nach
der Geburt?” fragt der eine Zwilling.
„Ja, auf jeden Fall! Hier drinnen wachsen wir und werden stark
für das, was draußen kommen wird, ”
antwortete der andere Zwilling.
„Das ist doch Blödsinn”, meint der erste.
„Es kann kein Leben nach der Geburt geben, wie soll
das denn bitteschön aussehen?”
„So ganz genau weiß ich das auch nicht. Aber es wird sicher
viel heller sein als hier. Und vielleicht werden wir herum laufen
und mit dem Mund essen.”
„So einen Unsinn habe ich ja noch nie gehört. Mit dem Mund essen?
Was für eine verrückte Idee. Es gibt doch die Nabelschnur,
die uns ernährt. Und wie willst du denn herumlaufen?
Dafür ist die Nabelschnur doch viel zu kurz.”
„Doch, es wird bestimmt gehen, es ist eben dann alles nur
ein bisschen anders.”
„Du spinnst! Es ist noch nie einer zurück gekommen von nach der Geburt.
Mit der Geburt ist das Leben zu Ende.
Punktum.”
„Ich gebe ja zu, dass keiner richtig weiß, wie das Leben nach der
Geburt aussehen wird. Aber ich weiß, dass wir dann unsere Mutter
sehen werden und dass sie für uns sorgen wird.”
„Mutter ??? du glaubst doch wohl nicht an eine Mutter! Wo ist sie denn?”
„Na, hier - überall um uns herum. Wir leben in ihr und durch sie.
Ohne sie könnten wir gar nicht sein!”
„Quatsch, von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt,
also kann es sie auch nicht geben.”
„Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören.
oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt...”
Nach Henry Nouwen
Ich, Wir oder Sie? Geschrieben am 16.05.10 - 09:25 PM
Frage: Bist du eher ein Ich-, ein Wir- oder ein Sie-Typ? Antworte nicht vorschnell und überleg dir deine Antwort gut.
Also wenn wir ehrlich sind, dann sind wir doch alle ein Ich-Typ. Alles dreht sich um uns, muss sich um uns drehen. Ganz nach dem Motto, wenn jeder für sich schaut, ist auch für alle geschaut. Oder geistlicher ausgedrückt: Ich mich mein mir, Gott segne uns vier!
Nach diesem schier unendlichen Ich-Bereich können wir auch noch ein Miteinander erkennen. Noch knapp vor dem Horizont sehen wir also noch den Wir-Bereich. Wir, also eine Gruppe von sich gegenseitig sympatisch findenden Menschen, geniessen gemeinsame Zeiten und Aktivitäten. Solange der Ich-Bereich natürlich nicht auf der Strecke bleibt.
Aber was ist mit dem Sie-Bereich? Also die Menschen, die ich nicht (oder noch nicht) in meinen überschaubaren und handverlesenen Wir-Bereich hineingelassen haben? Konkret: Die Anderen. Stimmt, da gibt es Menschen denen sollte man helfen. Hoffentlich kümmert sich jemand um sie. Hoffentlich liebt sie jemand. Zugegeben, es gibt sie, die Ausnahmen unter uns, die sich voller Einsatz um alle und jeden kümmern, doch scheinen sie mir im Gesamten eher schwach vertreten.
Wo liegt überhaupt der Aufgabenbereich von uns Christen? Christian A. Schwarz schreibt dazu: "Graf Zinzendorf, einer der Väter des Pietismus und folglich der heutigen evangelikalen Bewegung, lehrte, dass jeder Christ drei ‘Bekehrungen’ brauche: Erstens eine Bekehrung von der Welt zu Christus; zweitens eine Bekehrung zur Gemeinde; und drittens eine Bekehrung zurück zur Welt."
Der Ich-Bereich: Es geht zuerst einmal um mich, oder besser gesagt um die Beziehung zwischen Gott und mir. Erst wenn der Schritt einer persönlichen Beziehung zwischen Mensch und Gott gewagt wurde, ist der zweite Schritt möglich. Zuerst braucht es meine persönliche Bekehrung zu Gott, zu Jesus.
Der Wir-Bereich: Doch einem einzelnen Gläubigen fehlt es an Halt, an Standfestigkeit. So lesen wir auch in der Bibel: "Es ist besser, daß man zu zweit ist als allein, denn die beiden haben einen guten Lohn für ihre Mühe. Denn wenn sie fallen, so hilft der eine dem anderen auf; wehe aber dem, der allein ist, wenn er fällt und kein zweiter da ist, um ihn aufzurichten! Auch wenn zwei beieinander liegen, so wärmen sie sich gegenseitig; aber wie soll einer warm werden, wenn er allein ist? Und wenn man den einen angreift, so können die beiden Widerstand leisten; und eine dreifache Schnur wird nicht so bald zerrissen." (Prediger 4,9-12) Ein Unterwegssein als Solo-Christ ist also nicht der von Gott vorgesehene Weg. Vielmehr sollen wir uns gemeinsam stärken, warmhalten und wieder aufrichten.
Der Sie-Bereich: Nach der Bekehrung von der Welt zu Gott und zur Gemeinschaft, haben wir aber eben auch einen dritten klaren Auftrag: "Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und seid gewiss: Ich bin jeden Tag bei euch, bis zum Ende der Welt." (Matthäus 28,18-20) Jesus, der diese Worte sprach, war also nicht der Meinung, dass es reicht, wenn wir uns bekehrt und einen Platz im Himmel gesichert haben. Er war auch nicht der Meinung, dass es reicht, wenn sich die Christen einfach abgeschottet von der Welt treffen und Gemeinschaft pflegen. Nein, er wollte, dass wir wieder in die Welt hinausgehen und die gute Nachricht weitergeben. Die Gute Nachricht? Jesus lebt! Er ist für dich gestorben und nach drei Tagen wieder von den Toten auferstanden und lebt! Er hat den Tod besiegt. Der Weg zum Vater ist frei!
Genau in diesen drei Bereichen wollen wir als Gemeinde dran bleiben. Wir wollen nicht einseitig nur in einem Bereich unterwegs sein. Da wir nicht mehr zu Zeiten von Zinzendorf leben (1700 - 1760), heissen diese drei Bereiche bei uns auf gut neudeutsch: Up, In und Out.
↑ UP - Beziehung zum Vater, Sohn und Heiliger Geist
↓ IN - Beziehung untereinander
→ OUT - Beziehung nach aussen
(Mehr über Up, in und Out gibt es hier.)
Ortsgemeinde oder Gemeinde-Individualismus Geschrieben am 16.05.10 - 09:24 PM
Die meisten Christen sind sich einig, dass die Gemeinde als lokale und als universale Gemeinde existiert. Die Lokalgemeinde besteht aus Gläubigen, die gemeinsam den Gottesdienst feiern, während die universale Gemeinde alle Gläubigen auf der ganzen Welt umfasst.
Im NT aber sehen wir klar eine dritte Struktur, die im Moment weltweit wieder entdeckt wird: die Gemeinde in der Stadt.
Im neuen Testament gibt es drei grundsätzliche Dimensionen von Kirche: Die Gläubigen, die sich häufig als Hauskirche treffen; die Gläubigen, die sich gelegentlich als Orts- / Stadtgemeinde treffen; die Gläubigen, die sich nicht an einem Ort treffen können, von der aber jeder Gläubige ein Teil ist.
Der biblische Befund ist ziemlich eindeutig: die Ortsgemeinde ist die grösste strukturelle Grenze, die die Gemeinde im NT hatte. Das ist kein Zufall. Am Ort können Christen ein gemeinsames Bewusstsein entwickeln und auch gemeinsam handeln. Bereits in einem Kanton ist das viel schwieriger. Gerade in einer Zeit, in der sich neue Hauszellen, -gemeinden und Quartiergruppen entwickeln, ist die „Stadt-Schau“ wichtig, damit sich die Gemeinde nicht verflüssigt, sondern eine gemeinsame Leib-Christi-Identität entwickelt.
Aber auch die herkömmliche Kirchen und Freikirchen könnten von einer regionalen Dach-Identität ganz neue Bedeutung erhalten, nämlich eine Gabenorientierte: Gemeinde A ist gut in Sozialarbeit, Gemeinde B hat eine hervorragende Bibelschule, während Gemeinde C ausgesprochen prophetisch ist. Wiederum haben sich eine Menge visionäre Jugendleiter in Gemeinde D angesammelt -warum muss jede Gemeinde ihr kleines Jugendgrüppchen am Leben erhalten? Wie, wenn die Stadt-Gemeinde gemeinsam die Gründung einer powermässigen Jugendchurch für die verlorene Generation anpacken würde - mit den besten Leitern der Stadt?
Wir in Chur träumen von einer Stadt-Gemeinde die mit Cluster in die Region hineinwirkt und so kann jeder einzelne seine Gabe im Reich Gottes einsetzen.
Kirche* (er)leben Geschrieben am 16.05.10 - 09:19 PM
Für unsere "City-Vision" braucht es einen Paradigmenwechsel - ein Umdenken in die Zukunft hinein.
Eine neue Zeit erfordert eine neue Art, wie wir unsere Gemeinden, unsere Städte und unseren Auftrag anschauen.
Wir leben nicht mehr im relativen Frieden eines christlichen Zeitalters, sondern im Krieg. Es gibt auf Dauer keinen neutralen Zustand.
Es ist zu spät, unsere westliche Gesellschaft als irgendwie „von christlichen Standards abgefallen“ zu betrachten und sie mit Predigen und Überzeugungen zurückzubringen zu versuchen. Die „Komm-zu-uns-bei-uns-findest-du-Gott“ Mentalität dürfen wir loslassen. Gott macht es uns deutlich:
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„Gehet hin und macht zu Jüngern“, sagt Jesus;
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der Hirte „geht hin“ um das Verlorene zu suchen
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„wie sollen sie hören, wenn niemand hingeht“ - und wie sollen sie sehen wenn es nicht sichtbar gemacht wird.
Um die Stadt Chur zu erreichen, wollen wir eine „Geh-Struktur“ entwickeln die offensive und praktische Wege findet, dass das Reich Gottes erlebbar wird.
* Wenn ich von Kirche spreche, dann meine ich Menschen und nicht Gebäude.
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